News |
|||
Teil 1 | Teil 2 |
Mit Kinderzimmer nach Dar Es Salaam - Teil 2 Samstag 8.10. Das Konzert Eigentlich ist verabredet worden um 11.30 in Richtung Leaders Club aufzubrechen, um die Bühne und die Anlage in vollständig aufgebauten Zustand zu begutachten, ein Anruf von Nancy ändert diesen Plan, das Vorhaben bleibt, wir verschieben es aber auf 15.30 Uhr. So gibt es für mich ein paar Stunden Lesen, eine einsame Portion Pasta im Hotelrestaurant und Cartoon Network. Der Rest der Crew geht in die Stadt, Dar es Salaam ist zu schnell gewachsen es gibt keinen Kern der Sache und so fällt die Beschreibung ihrer Erlebnisse recht kurz aus. Der Fahrdienst, den uns die deutsche Botschaft zur Verfügung gestellt hat, hat heute frei. Wir werden von einem Tourbus zum Veranstaltungsort gefahren, der jedem Jamaikanischen Soundsystem zur Ehre gereichen würden und geehrt fühlen wir uns. Es sitzen bereits viele im Bus wir begrüssen uns, ich kann mir nur die Gesichter merken, was jeden einzelnen von uns in diesen Tourbus gebracht hat bleibt ungesagt. Wir fahren wieder dieselbe Strecke, alle unsere Ziele lagen bisher direkt an der Küste, aber wir sind in Gedanken sowieso eher bei der Bühne und der Technik. Beides fällt besser aus als erwartet. Es sind unerwartete Dinge die Probleme machen. Das grösste Problem ist, einen geeigneten Tisch für Quasi Modo zu finden. Und dann ist das Verkabeln der Monitore und Mikrofone ungewohnt langwierig, es fehlen Kabel und das was wir einstecken wird postwendent von der Local Crew umgesteckt, es wird dunkel und wir haben nur eine Taschenlampe und das Bühnenlicht ist noch nicht aufgebaut. Es wackelt zwar ein bisschen, aber es funktioniert alles, als wir uns endlich auf den weg ins Hotel machen, eine kurze Dusche, umziehen und dann zum Essen. Das Konzert soll um 21.00 mit Wagosi Wa Kaya beginnen, als wir um 21.40 ankommen haben sie noch nicht angefangen, DJ Tama, einer der Jungs mit den Udo im Studio gecuttet hat legt noch auf, R’n’B Clubsound. Mittlerweile haben sich in etwa 300 Leute auf dem Gelände eingefunden, es ist also nicht das was man brechend voll nennt und so wirkt der abgetrennte VIP berreich am anderen Ende des Platzes im Moment etwas ab vom Schuss. Die Leute von der Security haben die Sache mit den Backstage und VIP-Pässen falsch verstanden, sie haben Leute die ohne einen solchen erschienen sind zuerst garnicht reingelassen. Es sind dann zum Konzert Beginn ca. 1000 Besucher die vor der Bühne sitzen und still im dunkeln warten, ein paar Jungs versuchen etwas abseits zu breaken, was sich auf dem Rasen als schwer erweisst. Die ersten sind nicht Wagosi Wa Kaya. Es ist eine Band, deren Namen ich nicht erfahre, die eine Nummer zum besten gibt, die das Publikum zu keinerlei Regung veranlasst. Stille in der tiefe des Raumes, mir wird etwas mulmig. Wagosi Wa Kaya bekommen mehr Reaktion, vorallem für Ihre Acapella Freestyles, aber nicht soviel wie Ich erwartet hätte. Ursprünglich war gedacht, dass wir als letztes Spielen, wir entschliessen uns dann aber doch als zweites zu spielen. John kündigt uns an, keine Reaktion aus dem Publikum und dann geht es los. Es ist dunkel vor der Bühne, man kann niemand erkennen es ist fast so als wäre niemand da, als ich anfange zu Rappen kommt doch eine freundlich Rückmeldung von Seiten des Publikums, was schlagartig alles vereinfacht für beide Seiten. Das Konzert vergeht, wie immer wenn man auf der Bühne steht, in Sekunden. Es beginnt zu Regnen und die Bühnen hat kein Dach, wir machen uns Sorgen um die Geräte ausserdem ist die Stromversorgung nahezu totesverachtend, wir brechen etwas früher ab als gedacht. Der gemeinsame Song mit Fid Q und Wagosi Wa Kaya, wird anderes als geplant, Quasi Modo beatboxt Fid Q taucht nicht auf. Fid Q ist so etwas wie der tansanische Samy Deluxe. Gut platziert in den tansanischen Charts unzugäglich und von uns und dem Rest der Welt ziemlich unbeeindruckt. Er betritt die Bühne von oben bis unten in Camoflage gehüllt und man merkt, das er seine amerikanischen und jamaikanischen Vorbilder genau beobachtet hat. Er bekommt erwartungsgemäss am meisten Beachtung. Er selbst rappt nur drei Nummern über ein Vollplayback und überlässt die Bühne dann seiner Posse, auch er bricht früher ab, allerdings nicht wegen dem Regen, der sehr schnell nachgelassen hat, sondern wegen irgendetwas anderem, es ist nicht rauszubekommen wegen was genau. Auf Johns Ansage hin, dass das Konzert nun vorbei sei, verlässt das Publikum ruhig und geschlossen den Ort des Geschehens, wir bauen ab und fahren ins Hotel, noch ein kurzer Drink auf Clemens Hotelzimmer, dann bin Ich im Bett.
Der Sonntag ist ganz klassisch der Erholung vorbehalten und so fahren wir einer Empfehlung von Nancy folgend an den Strand. Mit von der Partie sind ausser der gesamten Kinderzimmer Crew noch Marion, Sandra und John. Marion macht ein sechswöchiges Praktikum in der Botschaft, Sandra, eine Freundin von Marion, ist auf Besuch. Der Strand liegt auf der anderen Seite der Bucht von Dar, es ist eine 45 minütige Fahrt dorthin, unterbrochen von einer Fährfahrt. Tansania ist auf eine ganz bekannte und auf eine ganz unerwartete Art schön. Alles ist Intensiv bis an meine Grenze. Der Strand ist eine fleischgewordene Fototapete, das muss erstmal verkraftet werden und so wird gegessen und gebadet, gelesen und gelaufen und Kniffel gespielt bis in den Nachmittag hinein. Um 16.00 verlassen wir als gegrillte weisse Männer den Strand, Udo kauft sich an der Fähre noch ein „Siegfried und Roy“ Poloshirt. Nach einer Dusche und noch mehr Cartoon Network beenden wir den Tag mit einem sehr guten indischen Abendessen.
Der Abreisetag hat nur einen Programmpunkt und der heisst „Manöverkritik“ Wir treffen uns mit Nancy in der Botschaft besprechen uns und machen den Papierkram und gehen dann zu dem gleichzeitg letzten und einzigen afrikanischen Abendessen in Tansania. Michel teilt sich mit John einen „Masai Spear“ ( for serious meatlovers ) auf einer Terasse die wohl ursprünglich dafür konzipiert wurde, um in Khakis und mit einem Tropenhelm auf dem Kopf an Gin Tonics zu Nippen. Wir wollen 2 stunden vor Abflug also um 19.00 am Flughafen sein, sind wir auch den Flug verpassen wir trotzdem fast. Danach: Ich habe mich viel gefragt was wir in Tansania hinterlassen haben und was Tansania bei uns hinterlassen wird. Es war mir nahezu unmöglich ein Gefühl dafür zu entwickeln. Ich konnte die Gesichter nicht deuten und die Reaktionen nicht verstehen. Was wiederum nach vielem Nachdenken zur der Vermutung geführt hat, das es genau dieses Unfähigkeit etwas verlässliches zu fühlen ist, die zu den meisten zwischenmenschlichen Problemen führt. Die Versuchung, die Auseinandersetzung wegen Überforderung einfach auszulassen ist grösser als man glaubt. Diese 5 Tage haben vieles angestochen was wohl nicht vollständig zu stopfen sein wird. Aber Ich denke das die persönliche Unsicherheit ist ein fairer Preis für die gemachte Erfahrung ist. Mambo (wie geht’s?) Poa (gut!) (Ich hoffe, ich habe das richtig aufgeschnappt) |
||
|