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Mit Kinderzimmer nach Dar Es Salaam - Teil 1

Davor

Die Mission: Ein Kinderzimmer Productions Konzert in Dar es Salaam/Tansania und eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit zwei tansanischen HipHop Bands.

Die Crew:
Michel Attia der Tourmanager
Clemens Straub der Mischer
Udo Trappe der Geist in der Maschine
Jürgen Schlachter das Tier der Drummer
Quasi Modo, he’s the DJ
Textor, I’m the Rapper

Mittwoch 5.10.05

Tag 1 oder der lange Weg nach Dar

Der Flugplan erfordert es den Wecker auf 3.45 Uhr zu stellen. Das ist zu spät um aufzubleiben und zu früh um aufzustehen, doch auf diese Weise ist meinerseits für die nötige surreale Grundjustierung gesorgt, die mir für ein Vorhaben wie das Unsere geboten scheint.

Im Auftrag des Goethe Instituts, als europäischer Wohlstandsmensch in eines der ärmsten Länder der Welt zu Reisen, um dort vor Swaheli sprechenden Menschen auf deutsch zu rappen, ist etwas auf das man nur mit Orientierungslosigkeit reagieren kann. Ganz in diesem Sinne ist unsere Reiseplanung gestaltet. Von Ulm aus fahren wir nach München, um von dort aus nach Zürich weiterzufliegen. Das nimmt, mit den 20 Minuten, die wir auf Grund des hohen Verkehrsaufkommens über den Züricher Flughafen kreisen, 6 Stunden unserer Zeit in Anspruch (Ich sage nicht wie lang der Zug gebraucht hätte, das wäre beschämend).

Wir erwischen den Flug nach Dar gerade noch so, um uns, nachdem wir uns ja bereits warmgekreist haben, auf einen dreieinhalb Stunden dauernden Rundflug über der Schweiz zu begeben.

Das Fahrwerk lässt sich nicht einziehen und so sind wir gezwungen direkt nach dem Start umzukehren. Das Gewicht der Maschine ist aber noch zu hoch, es muss Kerosin verbraucht werden. Das bringt mir ein Flugzeug Mittagessen und drei Viertel von „Batman Begins“.

Und so endet der erste Tag in Afrika in einem von der Swiss Air gesponserten Hotelzimmer am Züricher Flughafen. Mir ist schwindelig.

Donnerstag 6.10.05

Ein Reisebus bringt uns und die anderen Zwischengestrandeten des Fluges LX 292 zurück an den Flughafen. Diesmal ist der Weg vom Eingang bis zum Gate E deutlich entspannter und es gibt mehr Zeit auf die Dinge am Wegesrand zu achten. Flughäfen geben mir immer das Gefühl, von einem Versuchsaufbau bei dessen Durchschreiten man von Wesen mit höherer Intelligenz beobachtet wird. Und bei dem Tonfall, in dem die Ansagen in der Flughafen Metro gesprochen werden, würde es mich nicht wundern, wenn irgendein Sedativum in der Luft versprüht worden wäre, um die suggestive Wirkung der Stimme vom Band noch zu unterstützen.

Der Flug bringt nichts erwähnenswertes.

Das Essen ist dasselbe wie gestern.

Das Flugzeug ist neu.

Eine Zwischenlandung in Nairobi, ein bißchen Verspätung und dann Dar es Salaam.

Es ist heiß, es ist feucht. Nancy Reck, unsere Ansprechpartnerin von der deutschen Botschaft, erwartet uns am Mwalimu Julius K. Nyerfre International Airport (das Dach der Schalterhalle ist gerade breit genug um diesen Namen zu verkraften).

Die Visa Ausgabe nimmt etwas Zeit in Anspruch, die genutzt wird um sich mit der Gastgeberin etwas warm zu plaudern und um die mitgebrachten Batterien von Autan, „No Bite“ und Sagrotan in Stellung zu bringen und, leicht hysterisch, nach Tse Tse Fliegen Ausschau zu halten.

Es ist eine ruhige Fahrt ins Hotel, jeder sieht neugierig aus dem Fenster auf die Franchise Niederlassungen und die Autohäuser.

Das Hotel ist so wie der Name (Kilimanjaro Kempinski Hotel) vermuten lässt.

Eine vollklimatisierte 5 Sterne Trutzburg kontinentaler Gewohnheiten. Es wirkt ein bisschen so wie die Belohnung von Seiten höherer Intelligenz, weil wir uns im Flughafenversuch bewährt haben.

Wir öffnen die Begrüßungsflasche Merlot und debattieren über die Notwendigkeit von Moskitonetzten und die Qualität des Wassers.

Freitag 07.10.2005-10-07

Kinderzimmer Toku Ujerumani Tuko Bongo Tunawarusha Jukwaani

Nach dem erwartungsgemäß guten Frühstück und ein paar Diskussionen über die Verträglichkeit lokaler Lebensmittel machen wir uns auf den Weg „ins Studio“. Nancy und John holen uns ab. John ist für die Technik zuständig. Plan ist die anderen zwei Bands( Fid Q und Wagosi Wa Kaya) zu treffen und den gemeinsamen Song an den Start zu bekommen. Nach etwa 10 Minuten Fahrt am Indischen Ozean entlang erreichen wir unser Ziel. Ein von einer Mauer umgebenes kleines einstöckiges Gebäude in einer unasphaltierten Nebenstrasse. Wir treffen auf zwei Personen, Fred und Jay. Fred ist MC von Wagosi Wa Kaya, Jay arbeitet fürs Studio. Wir sitzen etwas befangen umeinander herum. Jay bastelt nebenher an einem Instrumental, dass wie sich herausstellt nicht für uns ist.

Nach einer Weile kommen wir aber doch zur Sache. Wir hören Beats durch und entscheiden uns für zwei , einen von uns, einen von Complex, der wohl vor kurzem verstorben ist, ich frage nicht warum. Ich bekomme einen Hook auf Swaheli beigebracht.

Fred und ich schreiben je eine Strophe machen eine grobe Abfolge aus. Wir lassen Platz frei, falls noch andere MCs auftauchen sollten, es ist nicht abschließend zu klären ob es drei oder 5 sind. Fred zeigt mir Bilder von seiner Familie. Wir rappen ein bisschen. Udo battlet sich freundlichst mit den local DJs und dann müssen wir zu einem Radio Interview.

Ich rede viel, rappe ein bisschen und Sebastian der Moderator redet noch mehr und dann ist mir wieder schwindlig, etwas zu essen tut mittlerweile Not. Und ich bin nicht unglücklich, dass die anberaumte Pressekonferenz aufgrund von akutem Journalistenmangel nicht zustande kommt. Wir sind alle etwas schwach auf den Beinen, was die Malariaparanoia Blüten treiben lässt, was Clemens dazu veranlasst deutlich zu machen, dass das einzige gefährliche in Tansania er sein wird, wenn die Diskussion kein baldiges Ende finden sollte.

Wir machen uns, nach einem kurzen Abstecher ins Hotel auf zu einer Strandbar um etwas zu Essen. Coca Cola Plastiksitzgarnituren, Kokospalmen, weisser Sand, türkisfarbenes Wasser alles sehr Barcardi kompatibel, alles sehr Urlaub. Niemand lässt es sich nehmen sich vor dieser Kulisse photographieren zu lassen.

Es wird windig und es dämmert als ßwir auf den Weg machen um uns das Gelände anzusehen auf dem das Konzert stattfinden soll, ein Cricketfeld mit dazugehöriger Bar mit dem klangvollen Namen „Leaders Club“. Während wir einlaufen wird gerade die Bühne gezimmert (aus Holz, Wort drauf!), erst bei Restlicht und dann beim Schein einer einsamen, nackten Glühbirne. Der Platz ist gross, sehr gross, wir machen uns Gedanken ob die Anlage ausreichen wird. Der Verleiher der Anlage verspricht in drei Minuten zu kommen um alles zu klären. Ich nutze diese Stunde um auf und ab und durch meine Lyrics zu gehen.

Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten und sind um 20.30 Uhr im Hotel. Morgen ist das Konzert.


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